Frühes Selbstporträt

Zum Werk

Ohne in eine vordergründige Heimatmalerei abzudriften, setzt sich Turo Pedretti in seinen Gemälden – Engadiner Landschaften, Stilleben mit heimischen Blumen und Tieren (Jagdszenen) sowie Selbstbildnissen, Porträts von Familienmitgliedern und Menschen aus der Bündner Bevölkerung – mit seiner engsten Umgebung und dem alltäglichen Leben auseinander. Obwohl Pedretti mit dem nachimpressionistischen Schaffen Segantinis und Giacomettis vertraut ist, sind seine klar komponierten, stimmungsbetonten Bilder der 20er Jahre grautonig. Erst in den 30er Jahren verwendet er reine, ungebrochene Farben. Während die Geometrie des Bildaufbaus immer prägnanter wird, nimmt der Pinselduktus eine freie, dynamische Note an. In den 40er Jahren verstärkt sich die Tendenz zum Expressiven, zur Vereinfachung des Geschauten und zur Verfestigung der Form. Während der 50er Jahre bestimmt das intensive Kolorit den Ausdruck der zunehmend flächigeren, oft in flüssigen Farben alla prima gemalten Kompositionen. Die nach Erzählungen oder aus der Erinnerung geschaffenen Gemälde bekommen visionären, sinnbildhaften Charakter.

Pedrettis Schaffen steht in der Tradition des Fauvismus. Zudem sind sowohl Edvard Munch, dessen Bilder ihn anlässlich einer Ausstellung in Zürich 1922 tief beeindruckt haben, als auch Ernst Ludwig Kirchner, dem er persönlich begegnet ist, Vorbilder des der Generation der Schweizer Expressionisten angehörenden Künstlers. Insbesondere die ab den 40er Jahren von der gegenstandsunabhängig verwendeten Farbe, einer formalen Verdichtung sowie einer gestischen Malweise bestimmten Werke verleihen Turo Pedretti eine wesentliche Bedeutung innerhalb der Schweizer Landschaftsmalerei.


Etliche Werke wurden durch den Lawinenniedergang von 1951 beschädigt, andere vernichtet.